Feminist Peace Initiatives: Frauen bauen Brücken in der Demokratischen Republik Kongo

Von März bis Mai 2026 nahmen 60 Frauen aus den Gemeinschaften der Lendu und Hema an Fortbildungen sowie an einem gemeinschaftsübergreifenden und mehreren gemeinschaftsinternen Dialogen teil, die darauf abzielten, die Beteiligung von Frauen an der Konfliktprävention und -lösung zu stärken. Die Fortbildungsmassnahmen hatten einen weiteren Zweck: den Aufbau einer lokalen Frauenbewegung, die sich für die Friedensförderung in der Provinz Ituri im Osten der Demokratischen Republik Kongo einsetzt. Die Gemeinschaften der Lendu und Hema sind seit langem von Spannungen und Unsicherheit geprägt.

Heute nehme ich mit grösserem Selbstvertrauen an Diskussionen in der Gemeinschaft teil und ermutige andere Frauen, den Dialog und den Frieden zu fördern.

— eine Hema-Vertreterin

Die Frauen leben im Gebiet von Djugu, einem der instabilsten Konfliktherde in der Provinz Ituri. Wiederkehrende Angriffe bewaffneter Gruppen, anhaltende Spannungen zwischen den Gemeinschaften und sich wiederholende Vergeltungsmassnahmen haben den sozialen Zusammenhalt tiefgreifend untergraben. Sie führten auch zu einer erheblichen Vertreibung der lokalen Bevölkerung. Frauen spielen eine wesentliche Rolle für die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaften: Sie haben sowohl Zugang zu den Konfliktparteien als auch deren Vertrauen. Dennoch werden sie nach wie vor weitgehend von formellen und informellen Diskussionsforen zum Thema Frieden ausgeschlossen. Die Initiative von Femmes en Actions pour le Développement Multisectoriel (FADEM) fördert die aktive Beteiligung von Frauen an Friedensinitiativen und stärkt den Dialog zwischen den Gemeinschaften.

Mit Unterstützung eines Feminist Peace Initiatives (FPI) Förderbeitrags konnte FADEM 60 Frauen in den Bereichen Leadership, Gemeinschaftsmediation, Konfliktprävention, friedliche Konfliktlösung und Advocacy weiterbilden. Die Frauen vertreten Gruppen aus den Gemeinschaften der Lendu und Hema, die besonders von den verschiedenen anhaltenden bewaffneten Konflikten in der Provinz Ituri betroffen sind: junge weibliche Führungskräfte, vertriebene Frauen oder Rückkehrerinnen, Witwen, Gemeindevorsteherinnen und Vertreterinnen von Frauenorganisationen.

Vertrauen aufbauen und gemeinsame Lösungen suchen

Im Anschluss an diese Fortbildungen organisierten die Frauen mehrere innergemeinschaftliche Dialoge, die ihnen die Möglichkeit gaben, Vertrauen aufzubauen und den Weg für ein gemeinsames Treffen zwischen den Gemeinschaften der Hema und Lendu zu ebnen. Um die Treffen sicher durchführen zu können, wurden Sicherheitsrisiken minimiert und ein offener Dialog gefördert.

Die Vorbereitungen auf ein solch entscheidendes Treffen sind unerlässlich. In Katoto, einem von Hema bewohnten Dorf, und in Loga, einem Lendu-Dorf – beide im Gebiet Djugu – wurden Spannungen und Misstrauen durch Sicherheitsprobleme geschürt. Letztlich sind die Ursachen dieser Spannungen auf einen Mangel an Kommunikation und Austausch zwischen den beiden Volksgruppen sowie auf die Präsenz rivalisierender bewaffneter Gruppen zurückzuführen – Zaïre und CODECO –, die für sich beanspruchen, ihre Gemeinschaften zu schützen. Das gegenseitige Misstrauen und die unsichere Lage schränken die Möglichkeiten für Begegnungen zwischen den Gemeinschaften erheblich ein.

Die bisherigen Massnahmen von FADEM und die Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Gemeinschaften und bewaffneten Gruppen in Djugu haben sich bei der Organisation von Dialogen zwischen den Gemeinschaften als wirksam erwiesen. «Heute nehme ich mit grösserem Selbstvertrauen an Diskussionen in der Gemeinschaft teil und ermutige andere Frauen, den Dialog und den Frieden zu fördern», sagte eine Hema-Teilnehmerin aus Katoto.

Mit Dialog zur Konfliktlösung

Am Ende des Projekts trafen sich die 60 Frauen aus den beiden Gemeinschaften in der Stadt Bunia zu einem gemeinsamen Dialog zwischen den Gemeinschaften. Der offene Austausch über ihre gemeinsamen Anliegen half ihnen, hartnäckige Vorurteile gegenüber anderen Gemeinschaften nach und nach abzubauen. Das Treffen stärkte das Vertrauen zwischen den Gemeinschaften und ermöglichte erste Schritte zur Lösung der Konflikte, die sie unmittelbar betreffen. Allein die Tatsache, dass dieser Dialog stattfand, stellt einen bedeutenden Fortschritt auf dem Weg zur Friedensförderung dar.

Im Verlauf der Treffen sowohl innerhalb und zwischen den Gemeinschaften begann sich die Haltung der Teilnehmenden zu wandeln. Einige Frauen distanzierten sich zunehmend von der Rhetorik und den Argumenten, die der Unterstützung der bewaffneten Gruppen ihrer jeweiligen Gemeinschaft zugrunde liegen. Sie sprachen von Dialog, friedlichem Zusammenleben und der Suche nach gemeinsamen Lösungen. Dieser Wandel verlieh dem letzten Hema-Lendu-Dialog besondere Bedeutung: Anstatt die Spaltungen zwischen den Gemeinschaften zu schüren, knüpften die Frauen Verbindungen, gewannen ein besseres Verständnis für die Anliegen der anderen Gemeinschaft und positionierten sich stärker als Friedensaktivist:innen.

Eine Gemeindevorsteherin sagte: «Wir haben eine aktivere Beteiligung der Frauen am Austausch zwischen den Gemeinschaften beobachtet. Ihre Teilnahme stärkt die Dialogbemühungen und trägt dazu bei, ein Klima des Vertrauens zwischen den Gemeinschaften zu fördern.»

Ein bedeutendes Symbol der Annäherung

Die zunehmende Annäherung führte zu einem der bedeutendsten Ergebnisse: der schrittweisen Wiedereröffnung der Katoto-Strasse seitens der Hema-Gemeinschaft. Die Strasse ist die direkteste Verbindung zwischen den beiden Gemeinschaften. Aufgrund der Spannungen zwischen den Gemeinschaften war sie nicht mehr genutzt worden. Mitglieder der Lendu-Gemeinschaft konnten die Strasse nach mehreren Monaten erstmals wieder benutzen und durch Katoto fahren. Dadurch vermeiden sie lange Umwege, um Orte jenseits von Katoto zu erreichen. Die Wiedereröffnung der Strasse erleichtert nicht nur die Mobilität der Menschen und den Zugang zu den Märkten – sie symbolisiert zugleich die schrittweise Wiederherstellung des Vertrauens und des friedlichen Zusammenlebens zwischen den Gemeinschaften von Djugu.

Aufbauend auf der Dynamik, die während der Treffen entstanden ist, wurde kurz nach dem Hema-Lendu-Treffen ein lokales Komitee gegründet, das beide Gemeinschaften vertritt. FADEM unterstützt eine Gruppe fähiger und selbstbewusster Frauen bei ihren Bemühungen, lokale Spannungen abzubauen, die oft von bewaffneten Gruppen ausgenutzt werden. Die zwischen den Teilnehmenden geknüpften Beziehungen werden den Dialog und die Friedensförderung auch nach Abschluss dieses mit FPI-Fördermitteln finanzierten Projekts am Leben erhalten.