In den 20 Jahren vor der Machtübernahme der Taliban im August 2021 konnten Frauen in Afghanistan einige ihrer Rechte und ihren Platz in der Gesellschaft mühsam zurückerobern. Bis zur Machtübernahme unterstützten wir Frauen, das Wissen über ihre Rechte in Bezug auf den damaligen Friedensprozess zu stärken, damit sie den Frieden mitgestalten und in Entscheidungsprozessen mitreden. (Dieses Programm wurde abgeschlossen.)
Frauen in Afghanistan wissen, wie viel für sie bei den Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung auf dem Spiel steht. Scheitern diese, droht vor allem ihnen der Verlust hart erkämpfter Rechte. Die Frauen müssen ihre Rechte und ihre Mitsprache jedoch auch einfordern können. Ein Kurs an der Gawharshad Universität in Kabul ermächtigt sie, das zu tun. (Dieses Programm wurde abgeschlossen.)
Wenn der Frieden in Afghanistan scheitert, verlieren die Frauen die Fortschritte, die sie seit dem Zusammenbruch des Taliban-Regimes mühsam errungen haben. Sima Samar, Koordinatorin für FriedensFrauen Weltweit in Afghanistan und Mitglied der Regierung, fordert, dass Frauen den Frieden und die Zukunft ihres Landes mitgestalten können. Dafür hat sie einen hohen Preis bezahlt. Doch sie bleibt standhaft und vorsichtig hoffnungsvoll. (Interview aus dem Jahre 2019.)
Grundlage unseres politischen Engagements sind vier internationale Menschenrechtsstandards, welche die Basis für Frauen- und Menschenrechte, eine geschlechtergerechte Friedenspolitik und eine nachhaltige Entwicklung bilden. Wir engagieren uns für ihre wirkungsvolle Umsetzung, international und in der Schweiz.
Mit Frieden und Gerechtigkeit zu nachhaltiger Entwicklung
Wir sind Mitglied der zivilgesellschaftlichen Plattform Agenda 2030, welche die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung durch die Schweiz überwacht. Unser Fokus liegt insbesondere auf den Zielen 5 zu Geschlechtergleichstellung und 16 zu friedlichen und inklusiven Gesellschaften.
Interview zu 25 Jahre Beijing-Deklaration und -Aktionsplattform zu Frauenrechten und Geschlechtergleichstellung und 20 Jahre UNO-Sicherheitsratsresolution 1325 «Frauen, Frieden und Sicherheit» mit unserer Geschäftsleiterin Flurina Derungs (2020).
Frauen sind sowohl der Auslöser als auch die treibende Kraft der Protestwelle im Iran, die seit dem gewaltsamen Tod von Mahsa Amini in einem Umerziehungszentrum wegen «unangemessener Kleidung» das Land überrollen und zu massiven Menschenrechtsverletzungen durch staatliche Kräfte geführt hat. Wir solidarisieren uns mit Frauen- und zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich für das Recht auf Selbstbestimmung einsetzen – so auch im Iran. Nebst Solidarität brauchen die Frauen im Iran jedoch vor allem auch konkrete Unterstützung. Wir rufen deshalb zivilgesellschaftliche Organisationen, Regierungen und die internationale Gemeinschaft auf, ihre Solidaritätsbekundungen mit den Frauen im Iran durch konkrete Massnahmen zu untermauern.
Das Thema «Verhüllungsverbot» und die anstehende Abstimmung dazu scheint Feminist*innen zu spalten. Wie kommt das? Was würde eine Annahme aus feministischer Sicht bedeuten? Kann eine in der Verfassung festgeschriebene Kleidervorschrift bestehende patriarchalische Strukturen anfechten? Oder ist diese Abstimmung reine Symbolpolitik? FriedensFrauen Weltweit fragt in diesem Text nach den möglichen längerfristigen Folgen einer Annahme der Initiative und den dahinterliegenden Diskursen.
Das Schweizer Stimmvolk sagte am 7. März 2021 mit 51,2% knapp ja zur Volksinitiative zum Verhüllungsverbot. In der Initiative ging es angeblich um die individuelle Freiheit von Frauen und ihren Schutz vor patriarchalen Zwängen. Wir erachten dieses Verbot als gefährlich. Es befeuert anti-muslimischen Rassismus und instrumentalisiert Frauenrechte im politischen Diskurs.
Am 13. Juni 2021 entscheiden Schweizer Stimmberechtigte über das Polizeimassnahmen-Gesetz. Zusammen mit einem breiten Bündnis von NGOs sagen wir NEIN zu diesem Gesetz. Es fördert nicht Sicherheit, sondern Willkür und es gefährdet die Grundrechte.
In unseren Multimedia-Produkten hören Sie Menschen- und Frauenrechtsaktivistinnen zu, die über ihr Leben und ihre Arbeit erzählen, und erhalten Einblicke in unsere Projekte und Anlässe und die unserer Partnerinnen.
Am nationalen Frauen*streik vom 14. Juni 2019 sind in der Schweiz über eine halbe Million Menschen auf die Strassen gegangen, weil die Geschlechtergleichstellung nicht vom Fleck kommt – weder in der Schweiz noch im Ausland. Anscheinend nimmt der Bundesrat dieses Signal nicht ernst, wie aktuell der Entwurf zur neuen Botschaft zur Internationalen Zusammenarbeit (IZA) 2021-2024 zeigt.
Das Problem in Afghanistan sei nicht die Stärke der Taliban, sondern die Schwäche der Regierung, sagt Sima Samar, die ehemalige afghanische Sonderbeauftragte für Menschenrechte und Vorstandsmitglied von FriedensFrauen Welteit. Ohne die Garantie von Frauenrechten sei kein dauerhafter Frieden möglich.
Kamla Bhasin ist Indiens Frauenrechtlerin der ersten Stunde. Dank grossen Strassenprotesten der Armen – und der Frauen – könnten die Hindunationalisten abgewählt werden. Aber sie fordert mehr: das Ende des Patriarchats. (Kamla Bhasin war langjähriges Mitglied unseres Vorstands; sie ist 2021 verstorben.)
In diesem Interview mit der Schweizer Tageszeitung Le Temps lässt Sima Samar ihre Erinnerungen aufsteigen. Als Hazara, Frau und Feministin ist sie all das, was die Taliban ablehnen. Sie verliess ihr Land am 25. Juni 2021, bevor Kabul von den Taliban eingenommen wurde. «Nur wenige Tage, bevor ich mein Land zusammenbrechen sah.» Sima Samar ist Menschenrechtsaktivistin und Mitglied unseres Internationalen Vorstands. Das Interview ist nur auf Französisch verfügbar.
Die Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung laufen seit September 2020, mit nur vier Frauen im 21-köpfigen Verhandlungsteam der Regierung und keiner unter den Taliban-Unterhändlern. Wir fragen Sima Samar, Gründerin der unabhängigen afghanischen Menschenrechtskommission und der Gawharshad Universität in Kabul, wie die Chancen für einen dauerhaften Frieden stehen.
Die Schweiz verpflichtete sich 1997 mit der Annahme der UNO-Frauenrechtskonvention CEDAW, Diskriminierung gegenüber Frauen in allen Lebensbereichen abzubauen sowie die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter voranzubringen. Dazu gehören explizit auch die aktive Förderung benachteiligter Gruppen bis ein Gleichgewicht erreicht ist. Die Forderungen der Zivilgesellschaft zeigen, dass nach wie vor viel Handlungsbedarf besteht.
Seit April 2023 ist der Sudan in einen brutalen Konflikt zwischen den sudanesischen Streitkräften und den Rapid Support Forces verwickelt. Infolgedessen wurden Zehntausende von Menschen getötet, zwölf Millionen wurden vertrieben, und es droht eine Hungersnot. Am 24. Juli 2024 luden die Vereinigten Staaten die sudanesischen Streitkräfte und die Rapid Support Forces zu Friedensgesprächen in die Schweiz ein, die am 14. August stattfinden sollen. Bislang sind ähnliche Initiativen für einen Waffenstillstand gescheitert. Die prominente sudanesische Mediatorin und Friedensaktivistin Rabab Baldo ist Mitglied unseres globalen Netzwerks Feminists Connecting for Peace. Sie verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Einsatz für einen gerechten Frieden im Sudan und erklärt, was geschehen muss, damit die Gespräche in der Schweiz erfolgreich sind.